Das Millionengrab: Warum neue Systeme nur selten die Rettung bringen
1. Juni 2026
Kennst du das? Du stehst vor einer Investitionsentscheidung, ein glänzendes neues Advanced Planning System soll eingeführt werden. Damit – so die Hoffnung – werden die Forecasts endlich treffsicher, die Produktion effizient, der Warenfluss optimal gesteuert und der OEE schießt nur noch nach oben.
Ganz ehrlich: Wer so denkt, verschwendet oft Millionen. Denn die eigentlichen Probleme liegen in der Regel ganz woanders. Und zwar hier:
Es ist übrigens total egal für welchen Softwareanbieter (SAP, BlueYoneder, o9, Kinaxis etc.) ihr euch entscheidet, wenn ihr die nachfolgenden Dinge nicht beherrscht!
1. Das Fundament aus Sand: Schlechte Stammdaten
Langweilig? Vielleicht. Aber in der Realität der entscheidende Punkt.
Bevor du auch nur einen Euro in teure Software steckst, frag dich:
- Sind eure Materialstammdaten korrekt und aktuell?
- Stimmen die Schnittstellen, Kapazitäten, Arbeitspläne und Stücklisten?
- Sind die relevanten Verlustraten hinterlegt? uvm.
In der operativen Planung brauchst du planungsrelevante, ehrliche Daten. Fehler bei den Stammdaten führen dazu, dass – egal wie smart das System ist – nur Unsinn rauskommt. Mein Tipp: Mach zuerst ein ehrliches Assessment und räum die Datenbaustellen auf. Es lohnt sich!
2. Prozess schlägt System: S&OP & Co. als Erfolgsfaktor
Das beste System ist sinnlos, wenn der zugrunde liegende Prozess lückenhaft ist.
Egal ob Sales & Operations Planning (S&OP) oder Sales & Operations Execution:
- Wie stimmen sich Vertrieb, Controlling und Planung ab?
- Gibt es Klarheit über Verantwortlichkeiten? Wer trifft welche Entscheidung und mit welchem Vorlauf?
- Wo liegt die Hoheit über Kapazitäten und Stammdaten – Produktion oder Supply Planning?
Mir ist häufig begegnet, dass Rollen nicht klar definiert sind. Das führt zu Chaos und Misstrauen gegenüber den im System generierten Vorschlägen. Klärt die Prozesse, schafft ein sauberes Rollenkonzept (Stichwort: RASCI-Matrix), bevor ihr mit Systemeinführungen beginnt. Das betrifft auch Change Management – Organisationsstrukturen sollten angepasst, Zuständigkeiten sauber geregelt werden.
3. Blackbox entzaubern: Verstehen, was das System tut
Ein modernes APS kann viel – doch am Ende braucht es Nutzer, die den Logiken trauen.
- Wie funktionieren die Heuristiken im Hintergrund?
- Welche Optimierungsprofile sind hinterlegt?
- Wie können Planer diese anpassen?
Was ich gelernt habe: Planer sollen nicht blind alles abnicken, was das System vorschlägt – aber sie müssen verstehen, was passiert. Denn: Viele manuelle Eingriffe machen die Ergebnisse nicht besser, sondern schlechter. Schulungen, Transparenz und Verständnis sind hier Gold wert.
Fazit: Die Hausaufgaben vor der Investition machen
Mein Appell aus den französischen Alpen an dich:
Die Einführung eines Systems ist kein IT-Projekt, sondern ein gigantisches Organisations- und Change-Projekt. Wer das unterschätzt, verbrennt nicht nur Geld – sondern verpasst auch die eigentliche Chance, die eigene Supply Chain nachhaltig zu verbessern.
Setze erst auf Datenqualität, Prozessklarheit und Kompetenzaufbau. Dann ist jede Systemeinführung wirklich ein Booster für deine Supply Chain.
Kartendecks & more: https://store.deine-lieferkette.de
Die Bücher zum Kanal gibt es hier:
Supply Chain AD ABSURDUM (September 2025): https://deine-lieferkette.de/supply-chai...
Business-Roman (April 2022): https://deine-lieferkette.de/unplanbar_b...
Sachbuch (2021): https://deine-lieferkette.de/deine-liefe...
Kanalhomepage: https://deine-lieferkette.de
#supplychainmanagement #logistik #supplychainfit