Die wichtigsten Supply Chain Hebel für Kapitalrendite (ROCE) und Liquidität (Cashflow)
24. Januar 2026
Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chai...
Cashflow, Kapitalrendite (ROCE), Working Capital und die kleinen Fallen, die sich aus allzu eifriger Kennzahlen-Optimierung ergeben.
Ich bin fest davon überzeugt: Jeder Unternehmer ist ein Stück weit immer auch Supply Chain Manager. Ob du nun Waren einkaufst, produzierst oder verkaufst – der Strom von Geld, Material und Informationen durch dein Unternehmen muss permanent gesteuert werden, andernfalls verlierst du schnell den Überblick und rutschst in die Liquiditätsfalle.
Turnover is Vanity, Profit is Sanity, but Cash is King
Ein Spruch aus der englischsprachigen Managementwelt, den ich liebe! Umsatz klingt toll in der Außendarstellung, doch was bringt’s, wenn davon nichts hängen bleibt? Viel wichtiger ist am Ende nicht der provisionsgetriebene Hochglanzumsatz, sondern was wirklich auf deinem Konto landet – sprich der Cashflow.
Viele verwechseln leider Gewinn mit real verfügbarem Cash. Um es vereinfacht zu sagen: Erst wenn du deinen Lieferanten bezahlt hast, Gehälter und Energiekosten beglichen wurden, bleibt abzuwarten, ob dein siebenstelliger „Gewinn“ aus der Bilanz tatsächlich noch liquide Mittel bedeutet. Besonders im Mittelstand und bei kleinen Unternehmen wird dieses Thema gern unterschätzt – und kann zum Knockout führen.
Das Supply Chain Dreieck und ROCE
Im Podcast habe ich das sogenannte Supply-Chain-Dreieck erneut rausgeholt: Service, Kosten, Kapital.
Hier begegnet uns immer wieder die Kennzahl Return on Capital Employed – auf Deutsch Kapitalrendite.
Die Formel: Betriebsergebnis geteilt durch eingesetztes Kapital. Da stecken drei wesentliche Hebel drin, die du kennen solltest:
Bestände senken! Jede Palette, jeder Karton zu viel bindet Kapital und erzeugt zusätzliche Lagerkosten. Weniger Bestand = weniger gebundenes Umlaufvermögen = höhere Kapitalrendite!
Forderungen optimieren! Zahlungsziele mit Kunden aktiv managen, Retouren und Reklamationen minimieren. Je schneller das Geld reinkommt, umso besser für dein Working Capital.
Verbindlichkeiten steuern! Zahlungsziele gegenüber Lieferanten clever nutzen – aber bitte ohne die Partnerschaft zu ruinieren. Finanzdienstleistungen wie Factoring können helfen, sollten aber nicht zum reinen Selbstzweck verkommen.
Cash Conversion Cycle – das Zusammenspiel von Bestand, Forderung und Verbindlichkeit
Wer den Cash Conversion Cycle optimiert, macht nicht nur den Finanzvorstand happy, sondern sorgt auch ganz praktisch für mehr Liquidität und unternehmerische Handlungsfreiheit.
Mein Tipp: Sprich die Sprache der Finanzer! Begriffe wie Working Capital, Cash Conversion Cycle oder ROCE öffnen dir im Unternehmen Türen, wenn es um die Genehmigung von Projekten oder Prozessänderungen geht.
Große Fallstricke – Überoptimierung und „Old Plant Trap“
Wie so oft gilt: Jede Kennzahl kann zum Problem werden, wenn man ihr blind hinterher läuft.
Beispiel aus der Praxis: Wenn du deine Produktion auf veralteten Anlagen fährst, nur damit das eingesetzte Kapital niedrig bleibt, ruinierst du auf lange Sicht Servicequalität und gefährdest die Unternehmenszukunft. Die Umstellung auf neue, leistungsfähige Anlagen senkt zwar vorübergehend die Kapitalrendite – doch das Wachstumspotenzial und die Zukunftssicherheit sind langfristig wichtiger!
Auch Investitionen nicht zu tätigen, nur weil damit die ROCE kurzfristig sinkt, ist eine gefährliche Sackgasse.
Mein Insider-Tipp zum Abschluss:
Schau dir deine Bestände regelmäßig an – nicht nur die Gesamtsumme, sondern auch die Reichweiten und den Bodensatz. Manchmal hilft schon eine kleine Analyse, um unbemerkte Liquiditätsfresser freizulegen.
Ebenso sollten Zahlungsziele nicht nur ausgehandelt, sondern auch in der Realität eingehalten werden. Es passiert öfter als gedacht, dass Rechnungen viel zu früh bezahlt werden und so der Cashflow unnötig belastet wird.
Fazit:
ROCE, Cashflow und Working Capital sind mächtige Steuerungsinstrumente – aber sie sind kein Selbstzweck. Nutze sie, um unternehmerische Entscheidungen zu unterstützen, aber verliere dabei nie den Blick für das große Ganze. Wachstum, Investitionen und Innovation dürfen nicht unter kurzfristiger Kennzahlen-Optimierung leiden!
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