Umsatzsteigerung um jeden Preis? Die Schattenseiten für Marge und Kapitalbindung
14. Juli 2026
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Komplexität frisst Marge – Warum euer Umsatzwachstum teuer erkauft ist
Worum geht’s in dieser Folge?
Heute nehme ich euch mit in die Untiefen des Produktportfolio-Managements und decke auf, wie scheinbar harmloses Umsatzwachstum die Supply Chain auf lange Sicht komplett ausbluten lässt. Das klingt provokant? Ist es auch. Denn was in den Hochglanz-Slides von Sales und Marketing gerne gefeiert wird – ein Umsatzplus von 1–3 % – ist in Wahrheit oft eine Kostenexplosion, die eure Marge auffrisst und das Unternehmen teuer zu stehen kommt.
Die zwei Fronten des Komplexitätskriegs
Im Kern kämpft ihr an zwei Fronten, die euren Gewinn zusammenschmelzen lassen:
Verfall der operativen Marge:
Jede zusätzliche Produktvariante sorgt in der Produktion für mehr Rüstzeiten, kleinere Losgrößen und sinkende Flexibilität. Die Verwaltung wird komplexer, die Effizienz sinkt, die administrativen Kosten steigen rasant. Und dann fehlt euch genau da Kapazität, wo eigentlich der große Ertrag erwirtschaftet wird – bei euren Volumen- und Margenbringern.
Kapitalbindung im Lager:
Neue Nischenartikel mutieren gerne zu Pennerartikeln oder Slowmovern. Die müssen aber trotz allem sicherheitshalber vorgehalten werden und stapeln sich auf eigenen Palettenplätzen – als totes Kapital im Lager, manchmal sogar im Overflow-Lager.
Was das praktisch bedeutet
Stellt euch vor, ihr bringt ein neues Produkt auf den Markt und freut euch über 3 % mehr Umsatz. Was passiert hinter den Kulissen?
Die Produktion muss zusätzliche Rüstvorgänge einschieben – manchmal werden dafür sogar starre Rüstzyklen eingeführt, die euch Flexibilität kosten.
Auf einmal sind Sonderschichten nötig oder ihr lagert Produktionen aus – alles Mehrkosten!
Im Lager platzen die Kapazitäten aus allen Nähten, Overflow-Lagerschleifen sind vorprogrammiert.
Die operativen Zusatzkosten (Rüstzeiten, Extra-Schichten, Lager-Handling) fressen den Deckungsbeitrag auf – das neue Produkt vernichtet ab Tag eins Wert, statt welchen zu schaffen.
Der Klassiker: Die Innovationsfalle
Woran liegt’s? An der typischen Innovationsfalle:
Neue Business Cases werden mit optimistischen, oft schlicht falschen Annahmen geschönt. Die wahren Komplexitätskosten? Werden ignoriert oder massiv unterschätzt. Kommt dir vielleicht bekannt vor: In den Business-Cases sieht alles nach rosaroter Zukunft aus, die Realität holt einen später ein.
Wie kommen wir raus? Schwellenwerte und Klarheit!
Der einzige Ausweg aus der Komplexitätsfalle heißt:
Faktenbasierte Regeln statt Bauchentscheidungen!
Definiert knallharte kommerzielle Schwellenwerte:
Ab welchem Mindestvolumen, ab welcher Mindestmarge hat ein Produkt seine Daseinsberechtigung verloren?
Fällt ein Artikel drunter – Exit, ganz einfach.
Daten zählen, nicht die Lieblinge vom Key Account oder Marketing.
Jedes neue Produkt muss mehr Marge bringen als das Bestehende, sonst Finger weg!
Aber Obacht: Prüft die Annahmen in euren Business Cases – sind die Verkaufspreise wirklich durchsetzbar? Sind alle Herstellkosten inkl. Komplexitätszuschlag erfasst? Wird das alles auch konsequent End-to-End gerechnet?
Am Ende zählt das C-Level-Mandat
Klartext: Die Supply Chain kann das Portfolio-Management allein nicht gegen die Umsatzgelüste von Vertrieb & Co. durchsetzen. Wirklich echte Disziplin gelingt nur, wenn CFO oder CEO als starke Schirmherren auftreten und für Transparenz sowie harte Entscheidungen sorgen. Portfolio-Review gehört regelmäßig aufs S&OP-Tablett – als strategisches Werkzeug und nicht als Alibi-Aktion alle paar Jahre!
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