KI-Agenten im Praxistest: Zwischen Effizienzversprechen und operativem Chaos
21. Juli 2026
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Heute nehme ich dich mit auf eine sehr kritische, dafür umso ehrlichere Reise durch die digitale Transformation der Lieferkette – und zwar speziell in Bezug auf den derzeitigen Hype rund um KI-Agenten.
KI als Allheilmittel? Vorsicht Kostenfalle!
Gerade überschwemmen schicke Projektfolien und interne Präsentationen die Chefetagen: "Schaut her, wir setzen KI ein, alles wird effizienter, billiger, besser!" Was dabei oft nicht gesagt wird: In vielen Unternehmen wird das vorherrschende Chaos im Prozess einfach digitalisiert – mit riesigen, versteckten Kostenrisiken für die Supply Chain.
Mein Statement dazu: Die Digitalisierung schlechter Prozesse ist systematisches Geldvernichten.
Parallelen zum Outsourcing-Hype
Wer von euch etwas älter ist, erinnert sich bestimmt an die Outsourcing-Euphorie von vor einigen Jahren. Alles wurde an externe Dienstleister ausgelagert – ohne die Hausaufgaben im eigenen Unternehmen gemacht zu haben. Das Ergebnis: enormer Kontroll- und Reibungsverlust.
Heute sehe ich die gleichen Fehler beim Einsatz von KI.
Bevor Prozesse nicht aufgeräumt, dokumentiert und standardisiert sind, bringt es nichts, das Chaos auf Algorithmen oder KI-Agenten zu werfen. Wer das tut, automatisiert schlichtweg Ineffizienz – und das wird spätestens in der operativen Realität zum Problem.
Praktisches Beispiel: Fragmentierte Supply Chain
Stell dir vor, du betreibst eine stark fragmentierte Supply Chain:
Dezentrale Beschaffung
Unterschiedliche Systeme und Bestelllogiken pro Standort
Hunderte Lieferanten, die alle „ihr Ding machen“
Das eine Lager arbeitet hoch automatisiert, das andere komplett manuell, der dritte Standort nutzt wieder ganz eigene Lieferpläne.
Was passiert, wenn du hier eine KI-gestützte Disposition draufsetzt?
Die KI optimiert auf Basis vielfältiger, inkonsistenter Daten und Standards – und das Ergebnis? Falsche Materialflüsse, falsche Bestände, Dashboard alles grün, aber im echten Leben fehlt das Material und die Produktion steht. Wenn du nicht vorher den geringsten gemeinsamen Standard festlegst, wird Chaos nur noch effizient falsch abgearbeitet.
Die KI-Babysitterfalle: Wenn Kontrolle zur Sisyphusarbeit wird
Was viele Modelle versprechen, klingt auf dem Papier super: Personalkosten runter, Bestände runter, Verfügbarkeit rauf. Die Realität sieht oft anders aus.
Die Verantwortlichen verbringen ihre Zeit statt mit Wertschöpfung damit, Fehler der KI auszubügeln – das Team wird zum „Babysitter“ der Technik. Schlimmer noch: Weil der ersten KI nicht getraut wird, baut man weitere Kontrollagenten ein, die wiederum die Fehler der ersten KI kontrollieren... Das ist kein Fortschritt, sondern eine absurde Fehlerkaskade.
Frage an dich fürs nächste Teammeeting:
Ab wann ist der Punkt erreicht, dass wir den Stecker ziehen? Oder reiten wir das tote Pferd weiter – Hauptsache die Powerpoints glänzen noch?
Wissensexodus und der „Dominoeffekt“
Was viele übersehen: KI und autonome Dashboards sind keine Lösung für alles. Sie führen dazu, dass echtes Prozesswissen aus dem Unternehmen verschwindet. Niemand weiß nach ein paar Jahren noch, wie der echte Alltag wirklich aussieht – weil alles an Algorithmen und Automatisierung outgesourct wird.
In der Krise kann das fatal sein:
KI kennt keine „Extrameile“, keinen emotionalen Einsatz, keine persönlichen Beziehungen zu Lieferanten oder Spediteuren. Doch genau das – der berühmte persönliche „Anruf am Freitagabend“ oder die Durchschlagskraft im Notfall – rettet uns immer wieder über die schlimmsten Engpässe.
Standardisierung vs. Agilität: Die Supply Chain im Spagat
Manchmal zwingt uns die digitale Standardisierung dazu, Prozesse so weit zu vereinheitlichen, dass wir uns unsere eigene Flexibilität rauben – genau die Kompetenz, die uns durch Krisen wie Corona, Suezkanal oder politische Konflikte gebracht hat.
Mein Fazit:
Lasst euch nicht von Techfolien blenden.
Räumt zuerst eure Prozesse auf, dann digitalisiert ihr.
Haltet Schlüsselkompetenzen im Unternehmen – sie sind nicht durch KI zu ersetzen.
Investiert in die Aus- und Weiterbildung eurer Teams.
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