Warum Vorstände Logistik lieben, aber Supply Chain Management übersehen!

14. Juni 2026

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Ich möchte mit euch teilen, wie ich – geprägt durch viele Jahre im Mittelstand wie im Konzern – Logistik und Supply Chain Management (SCM) differenziere und warum diese Unterscheidung so bedeutsam für jede Organisation ist.


Die greifbare Kraft der Logistik

Hand auf’s Herz: Wer in Fertigungsunternehmen, Handel oder Distribution tätig ist, weiß, dass Logistik einfach überall präsent ist. Sie ist sichtbar, sie ist fühlbar und meistens spürt man sie in Form riesiger Budgets – gern mal in mehrstelliger Millionenhöhe. Ob Lager, Transport, Fuhrpark, Dienstleister oder Retourenabwicklung – in der Logistik bewegt ihr tagtäglich Unmengen an Ware und Geld.


Hinzu kommt: Die Logistik steht an der Kundenfront. Der LKW-Fahrer oder der Logistikleiter sind die ersten, die Lob oder Ärger abbekommen, wenn Liefertermine eingehalten oder gerissen werden. Gerade das macht Logistik für viele Vorstände und Entscheider so attraktiv: Sie ist wie ein massiver Hebel, leicht zu messen und sofort zu beeinflussen. Ein gut verhandelter Frachtvertrag? Die Kosten sinken sichtbar. Ein Lieferproblem? Das Feuer brennt sofort und muss gelöscht werden. Diese Direktheit macht Logistik scheinbar so „einfach zu fassen“ – aber genau darin steckt die Krux.


Supply Chain Management – das orchestrierende Gehirn

Wie sieht es aber mit dem Wesen des Supply Chain Management aus?

Hier wird’s spannend: SCM ist, salopp gesagt, das Gehirn der End-to-End-Lieferkette. Es bleibt jedoch meist im Hintergrund, orchestriert Prozesse, steuert Netzwerke zwischen Lieferanten, Produktionen, Lägern, Vertrieb und Kunden.

Typische Aufgaben: Absatzprognosen, Bestandsmanagement, Prozessmoderation (S&OP) – und dabei immer der Blick in Richtung Gesamtstrategie und Langfristoptimierung.


Das Tückische dabei: SCM bleibt unsichtbar, solange es funktioniert. Keine Brände, keine Störungen – einfach ruhiger Fluss. Die Bestände sinken leise, die Lieferfähigkeit bleibt hoch, Kapital wird effizient eingesetzt. Von außen ist der Einfluss aber kaum „fühlbar“. Ein pünktlicher LKW steht auf dem Hof – klar und sichtbar. Ein optimierter S&OP-Prozess? Das merken vor allem Analysten in der Bilanz oder GuV, nicht der Mitarbeiter auf dem Shopfloor.


Warum trennen? Die Kurzfrist-Falle im Tagesgeschäft


Jetzt zur zentralen Frage in vielen Unternehmen:

Braucht man wirklich eine strikte Trennung? Gerade in KMU oder kleineren Betrieben findet die SCM-Funktion oft nicht als eigene Rolle statt, sondern landet als Zusatzpaket beim Logistikleiter.


Das Problem: Wer das Tagesgeschäft dominiert, kommt selten zur strukturierten Planung. Zwischen Frachtverhandlungen, Schadensabwicklungen und Kapazitätssorgen bleibt keine Luft für übergeordnete Optimierungen. Strategische Fragen wie Lagerbestandsprojektion, Forecast-Optimierung oder das Thema Sales & Operations Planning (S&OP) landen schnell auf der To-Do-Liste für „irgendwann später“. Wenn’s brennt, zählt immer das Tagesgeschäft – und das ist meistens Logistik.


Meine Erfahrung: Wer SCM und Logistik dauerhaft auf eine Person bündelt, handelt sich eine „eierlegende Wollmilchsau-Position“ ein. Sie existiert nur auf dem Papier, nie in der Realität. Am Ende leidet entweder die Operative (Logistik) oder die Strategie (SCM) deutlich.


Organisatorische Einordnung

Eure Organisationsstruktur entscheidet, wie erfolgreich euer Team agieren kann. Wird SCM dem Logistik- oder gar Produktionsleiter untergeordnet, bleibt am Ende alles im Alltagsgeschäft hängen. Eine saubere Trennung – wo SCM eigenständig agieren kann – verschafft Freiraum für strategische Impulse, Prozessentwicklung und nachhaltige Verbesserungen.


Mein Fazit für dich

Logistik ist und bleibt das sichtbare und greifbare Rückgrat eures Wertschöpfungsnetzwerks – ohne sie kein Fluss, keine Lieferung, kein Geschäft. Supply Chain Management dagegen ist das strategische Gehirn: leise, planerisch, prozessorientiert und auf Langfristwirkung ausgerichtet.


Beides ist essenziell – aber mit völlig unterschiedlichen Skills und Rollen.

Trenne sie sauber, wenn du dein Unternehmen krisenfest, stabil und zukunftsorientiert aufstellen willst!


Bleib neugierig und stelle immer wieder die richtige Frage:

Ist das noch Logistik – oder schon Supply Chain Management?


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#supplychainfit