Warum will der Vorstand immer mehr Details? Die Agency Theory macht’s verständlich

15. Februar 2026

Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chai...


Du kennst das sicher: Du hast einen soliden Business Case ausgearbeitet, das Team ist begeistert – und trotzdem gehst du mit gekürztem Budget und viel Skepsis aus dem Vorstandsgespräch heraus. Mehr Details, bessere Sicherheiten, ein höherer Return on Investment – diese Forderungen fühlen sich wie Misstrauen an. Doch ich behaupte: Es ist ein rationales Misstrauen, und die Agency Theory liefert das theoretische Fundament dafür.


Lass mich dich heute mitnehmen in die Welt der Agententheorie, wie ich sie selbst aus meinem MBA-Studium kenne und für das Supply Chain College aufgefrischt habe. Denn wenn du verstehst, warum Vorstände und Eigentümer so entscheiden, kannst du deine Investitionen anders verargumentieren, vertrauensvoll auftreten – und wirst vom Verwalter zum strategischen Partner.


Agency Theory: Trennung zwischen Eigentum und Kontrolle


Stell dir vor, du betreibst einen eigenen kleinen Laden. Am Anfang bist du Eigentümer und Manager zugleich, die Interessen sind deckungsgleich. Doch sobald das Geschäft wächst und du Verantwortung abgibst – zum Management, zu Führungskräften – entsteht der Bruch:

Eigentümer (oder Aktionäre) tragen das volle Risiko, geben aber Kontrolle ab. Das Management übernimmt die Kontrolle, trägt aber nicht das volle Verlustrisiko. Daraus entstehen Interessenunterschiede und – besonders spannend – Informationsasymmetrien: Der Manager kennt den Markt, die Details, die Risiken besser als der Eigentümer. Diese Asymmetrie wird mit wachsender Größe noch komplexer: Jede Managementebene ist ein Agent für darüber liegende Ebenen – eine verkettete Agency Chain.


Was heißt das für uns in der Supply Chain?


Diese strukturellen Unterschiede erklären, warum der Vorstand nicht aus Bosheit oder Unwissen Budgets streicht, sondern weil er selbst Druck von oben bekommt, Ziele erfüllen muss und deshalb wissen will: Wird das Kapital effizient eingesetzt? Die Kritik und Challenges sind also Teil der strukturellen Notwendigkeit, kein persönlicher Angriff. Das hilft enorm, wenn du Investitionsvorlagen vorbereitest.


Overengineering und Empire Building


Ein Beispiel: Du willst die modernste Planungsoftware oder das vollautomatisierte Lager. Als Profi strebst du nach Perfektion – doch Perfektion ist teuer. Der Eigentümer zahlt nicht für Perfektion, sondern für ökonomische Effizienz! Systeme, die robuster und komplexer sind als der Markt verlangt, kosten “operative Ruhe” mit dem Geld der Eigentümer – das ist im Endeffekt ineffizient. Deshalb hinterfragt der Vorstand “Future-Proof”-Lösungen kritisch.


Moral Hazard: Bestände als Angstprämie


Viele von euch kennen das: Um ruhig schlafen zu können, werden extra Bestände angelegt – die Konsequenzen trägt am Ende aber jemand anderes. Der Produktionsleiter will keine Minute Stillstand, der Einkaufsleiter wird nicht verantwortlich gemacht für Überbestände, aber der Eigentümer muss die Kosten tragen. Das Working Capital explodiert, der Cashflow sinkt. Und wieder: Informationsasymmetrie. Der Vorstand hat oft das operative Detailwissen nicht, muss sich auf Business Cases verlassen. Spätestens der CFO prüft kritisch jedes Szenario. Das ist gut, denn es validiert, ob im Sinne des Unternehmens gehandelt wird.


Sandbagging: Zielpuffer als Absicherung


Die meisten von uns kennen das Prinzip, Zielpuffer ins Budget einzubauen – für ein “easygoing” Geschäftsjahr. Unerwünschte Nebeneffekte: Der Vorstand geht mit der Rasenmäher-Methode durch und kürzt pauschal. Umso wichtiger wird Transparenz: Offen, ehrlich erklären, wo die Annahmen herkommen – und gemeinsam als Team die Budgets vertreten.


Lösung: Informationsasymmetrie abbauen!


Die Agency Theory kann man für sich nutzen, indem man Informationsasymmetrien abbaut – durch Signaling und Bonding:


Signaling: Proaktiv alle Infos offenlegen, die Kosten und Risiken transparent machen, Szenarien erklären, statistische Evidenz liefern.


Bonding: Sich an ehrgeizige, realistische Ziele binden – Erfolg messbar machen, kontinuierlich nachsteuern und offenlegen.


Das Ziel: Als Partner auftreten, nicht als Agent – und so das Misstrauen senken, Genehmigungen beschleunigen und als wertvolle Führungskraft wahrgenommen werden.


Mein Fazit und Praxistipp


Nimm die Agency Theory mit ins nächste Budgetgespräch und setze auf maximale Transparenz und Selbstbindung. So positionierst du dich als Partner und schaffst neues Vertrauen – der Weg vom Verwalter zum strategischen Partner der Unternehmensführung.


Kartendecks & more: https://store.deine-lieferkette.de

Kanalhomepage: https://deine-lieferkette.de

#supplychainmanagement #logistik #supplychainfit