Die wahren Herausforderungen von Supply Chain Transformationen (Christian Kroschl)

24. März 2026

Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chai...


In der aktuellen Episode hatte ich das Vergnügen, mich mit Christian Kroschl über die zentralen Fragen der Supply Chain Transformation zu unterhalten: Warum scheitert so vieles, obwohl Technik und Tools scheinbar alles können? Wieso sind die Basics das Herz der erfolgreichen Steuerung? Und wie können wir Planung zur echten Orchestrierung entwickeln?


Die Pflicht – und die Kür


Logistik, Einkauf, Produktion: Diese Funktionen sind das Pflichtprogramm jeder Lieferkette, sie stehen für die operative Exzellenz. Doch das Steuern einer Kette, sprich: Planung, Vernetzung, kluge Regelwerke und klare Entscheidungsstrukturen – das ist die Kür. Und genau hier liegt oft das Problem: Sobald wir von reinen Reporting-Funktionen weg wollen und echten Mehrwert schaffen möchten, stoßen wir auf organisatorische und kommunikative Grenzen.


Christian Kroschl hat das wunderbar auf den Punkt gebracht: Nach einer kurzen Blüte in der Corona-Zeit, in der die Lieferkette auf einmal ein Board-Level-Thema wurde, bleibt die strategische Bedeutung meist wieder zurück – und Supply Chain ist erneut das „Backoffice“. Die Ursache? Es fehlt die Übersetzung zwischen Fachsprache (Kapazität, Volumen, Lead Times) und CEO/Board-Sprache (Mehrwert, Wachstum, Return on Capital).


Supply Chain als Nervenzentrum – nicht als Logistik-Plus


Viele Unternehmen haben ihre Supply Chain in der Organisation noch immer als „Logistik-Plus“ oder reine Abwicklungsfunktion verankert. Dabei zeigen Beispiele, wie es anders gehen kann: Planung wird zum Nervenzentrum, nicht zur Sandwichscheibe zwischen Produktion und Vertrieb – und Entscheidungen werden binnen Minuten getroffen, statt in wochenlangen Abstimmungsrunden.


Den Schlüssel dazu bildet aus meiner Sicht – und auch Christians – eine End-to-End-Verantwortung, ein Mandat, das nicht nur Planung, sondern auch Steuerung umfasst. Das Bild: Statt 10 Plänen aus Einkauf, Produktion, Logistik etc. gibt es einen Gesamtplan, und die Organisation hat den Mut, Verantwortung zu bündeln und Vertrauen in die Planer-Rolle zu investieren.


Regelwerke statt komplizierter Prozesse – die Basis der Transformation


Ein weiteres zentrales Thema, das uns im Interview beschäftigte: Regelwerke. Für viele klingt das erst einmal nach Bürokratie – dabei sind es gerade die gut konstruierten, klaren und einfach verständlichen Regelwerke, die Steuerung überhaupt erst ermöglichen. Ob Min-Max-Grenzen, Replenishment-Logiken, Engpasssteuerung oder das Delegieren von Entscheidungsspielräumen: Ohne solche fundamentalen Regelwerke gibt es keine Automatisierung, keine Transparenz und keine Steuerung.


Die Praxis zeigt aber: Viele Transformationen scheitern nicht an zu wenig Technik, sondern an fehlenden (oder schlecht kommunizierten) Regelwerken. Wer nur Prozesse beschreibt, ohne die konkreten Bandbreiten und Verantwortlichkeiten zu definieren, bleibt im Silo hängen – und landet am Ende trotz Millionen-Invest zum wiederholten Mal in Excel.


Planungssysteme – Rückgrat, nicht Selbstzweck


Natürlich kam auch die Rolle moderner Planungssysteme zur Sprache. Hier ist mein eigener Standpunkt klar: Technik ist Pflicht, aber nicht Kür. Ein solides APS kann die Versorgung als Rückgrat ermöglichen, Daten als Basis bündeln und Schnittstellen zur KI schaffen – doch es löst keine organisatorischen Reifegrade. Und es ist nicht das System allein, das Planung transformiert, sondern die Bereitschaft, organisatorisch Verantwortung und Entscheidungsmacht neu zu definieren und sich auf das Steuerungsmodell einzulassen.


Immer wieder machen Unternehmen den Fehler, die Tool-Auswahl über alles zu stellen – und verlieren dabei zwei Jahre in der Implementierung, am Ende landet alles wieder im Excel-Silo. Mein Appell, und Christians auch: Die Kombination aus Operating Model, klarer Rollendefinition, den richtigen Regelwerken – und dann erst die passende Tool-Unterstützung führen zum Erfolg.


Die Rolle der Planer – von Sachbearbeiter zur Orchestrierer


Ein ganz wichtiger Punkt: Die Anforderungen an Planer verändern sich massiv. War die Rolle früher oft dem besten Lagermitarbeiter oder Produktionsmitarbeiter vorbehalten, braucht es heute Datenaffinität, Analysekompetenz, Prozessverständnis und Kommunikationsfähigkeit – und die Bereitschaft, Verantwortung als Entrepreneur im Unternehmen zu übernehmen.


Klar, wer die Linie kennt, hat Vorteile, aber die Zukunft liegt in der Fähigkeit, Daten zu lesen, zu interpretieren und daraus Entscheidungen zu orchestrieren. Nicht jeder wird das leisten können, und die Unternehmen müssen sich darauf einstellen: Schaffe intern Karrierewege, baue die Skills auf – und sorge dafür, dass Planung keine Sackgasse, sondern Sprungbrett ist.


Fazit: Die Basics sind wichtiger denn je


Hier findet ihr Christian: https://www.linkedin.com/in/kroschl/


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